20 Jahre Verein Haus der Religionen – Beitrag 1/2022 – «Der Träumer am Küchentisch»

DER TRÄUMER AM KÜCHENTISCH

In meiner Erinnerung sitze ich – irgendwann im Frühjahr 2002 – am Küchentisch im Haus eines Theologen in Bern-West. Mein Interviewpartner heisst Hartmut Haas, ist ein unkomplizierter, kommunikativer Mensch, voller Ideen – aber ich fragte mich die ganze Zeit – und muss ihm das wohl zu merken gegeben haben: wovon träumt er eigentlich? Will er wirklich ein Haus bauen (lassen), in dem sich verschiedene Religionen treffen können, oder ist dieses Haus nur ein Symbol für eine Idee, dass künftig alle Religionen in Bern friedlich zusammenleben, also: ein Traum, eine Utopie?

Bestechend ist ja der Gedanke, aber ich kann mir dieses Haus einfach nicht vorstellen. Kirche, Tempel, Moschee, Synagoge alles in einem? Und wer, bitte, soll das bezahlen? Das sind doch wohl eher Luftschlösser.

Ich werde in den folgenden Jahren noch ein paar Mal gebannt und etwas ungläubig zuhören, wenn Hartmut Haas, der begnadete Motivator und Vorantreiber des Projekts «Haus der Religionen – Dialog der Kulturen», seine Idee vertritt und später dann auch anhand von Modellen vorstellt. Ich erinnere mich an einen Stossseufzer der damaligen Schuldirektorin Edith Olibet ein paar Jahre später. Sie sagte an einem Festbrunch mit vielen Religionsvertretern: «Ja, der Herr Haas! Wenn er anruft, dann weiss ich, es gibt ein längeres Gespräch. Er ist nicht zu bremsen.»

Wer hätte Hartmut Haas bremsen wollen (und können)? Viele haben sich wohl im Verlauf der Jahre gedacht: Träum du nur! An die Utopie haben anfänglich wenige
geglaubt. Einer aber immer: Hartmut. Und dafür bin ich ihm von Herzen dankbar. Und was heisst das für die Zukunft? Die einfache Antwort lautet wohl: Behalten wir – allen momentanen Unwägbarkeiten zum Trotz – immer den Optimismus, dass alles geht, wenn man es genügend hartnäckig versucht. Hermann Hesse sagte es kürzer und schöner: «Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.»

Rita Jost

PS. Warum das Foto mit der Kiwi? Ich mag das Foto im Restaurant Vanakam, weil es symbolisiert, was das Haus für mich ist: exotisch, vitaminreich, berauschend schön und … die Frucht eines Strahlengriffelbaums. Wenn das keine Verheissung ist!

Bei Fragen können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen:

Haus der Religionen – Dialog der Kulturen
Europaplatz 1
CH – 3008 Bern

+41 31 380 51 00 (Montag bis Freitag von 9.00 – 12.00 Uhr)
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