20 Jahre Verein Haus der Religionen – Beitrag 10/2022 – «Die Süsse der Traube»

Immer, wenn ich über die Schwelle in den Dialogbereich des Hauses der Religionen trete, sagt mein Herz: «Hier bin ich zu Hause».  An der Eröffnung am 14. Dezember 2014 habe ich mit Familie und Freunden auch meinen Geburtstag gefeiert – da wollte ich sein!

Nebst meinem kleinen Engagement im Raum der Kirche arbeite ich nun seit ein paar Jahren alle zwei Wochen am Dienstagmorgen am Empfang. Ich nehme die Telefonanrufe entgegen und begrüsse die Ankommenden. Es sind Erwachsene, Jugendliche, Einzelpersonen, Gruppen. Und immer wieder ergeben sich Gespräche, und es kommt zu einer Begegnung.

Ich vergleiche das Haus der Religionen mit seinen Menschen mit einer süssen, saftigen Traube! Sie enthält wichtige energiereiche Vitalstoffe, die für unsere Gefässgesundheit sorgen und zahlreichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Auch wertschätzende Beziehungen fördern Gesundheit.  Im Haus, bei den verschiedenen Religionsgemeinschaften, bei den Mitarbeitenden und den Gästen wird dies für mich sicht- und spürbar. Trauben benötigen zum Wachsen und Reifen viel Licht und Wärme. Ich schätze es sehr, in einem Haus arbeiten zu dürfen, in dem ich wachsen und reifen darf.

Und solche Vitalstoffe für den Körper und für die Seele erhalten wir auch im Restaurant Vanakam, wenn wir uns dort an einen Tisch setzen. Da ich am Empfang mit Sichtkontakt arbeite, rieche ich den köstlichen Duft aus der Küche und geniesse auch das sorgfältig und liebevoll servierte Essen.

Es wird mir etwas zugetraut und manchmal auch zugemutet. Ich erlebe es als Herz- und Grenzerweiterung. Die Schönheit der Räume, die Schönheit der Begegnungen mit Menschen aus verschiedenen Kulturen erlebe ich wohltuend und bereichernd.

Die Traube ist eine der ältesten Kulturpflanzen. Sie wächst in gemässigten, teils subtropischen Regionen und wird in allen Erdteilen angebaut. Ich erlebe den «Rebberg» am Europaplatz als einen Ort, wo Menschen von überall willkommen sind, und ihren Platz finden können, sich einwurzeln und wachsen und Frucht tragen können. Die Rebe wächst besonders in die Tiefe. Dort wird sie mit allem Notwendigen wie Wasser und Nährstoffen versorgt. Die Wurzeln sind nicht nur der Energiespeicher einer Pflanze, sie bilden auch ihr Gedächtnis und sind Teil eines grossen gemeinsamen Seins. Dieses Verwurzelt sein der Einzelnen macht das Miteinander und die Auseinandersetzung in den Religionsgemeinschaften und im Dialog der Kulturen erst möglich, denn ganz unten, im zutiefst Menschlichen, sind Demut, Barmherzigkeit und Mitgefühl verwurzelt. Es ist dieses Wachsen in die Tiefe, die uns die Süsse der Traube schenkt. Damit wir sie geniessen können, braucht es rund um das Jahr viel Pflege. Dies wurde am 10. September sichtbar.

Christine Thielmann

Bei Fragen können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen:

Haus der Religionen – Dialog der Kulturen
Europaplatz 1
CH – 3008 Bern

+41 31 380 51 00 (Montag bis Freitag von 9.00 – 12.00 Uhr)
info@haus-der-religionen.ch

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