20 Jahre Verein Haus der Religionen – Beitrag 9/2022 – «Das diverse Innenleben des Granatapfels»

Es ist gar nicht so einfach das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen mit einer Frucht in Verbindung zu bringen, denn Früchte haben ein Aussenleben – die Schale – sowie ein Innenleben – das Fruchtfleisch und die Samen. Die Samen sehen sich sehr ähnlich und unterscheiden sich kaum. Was bei den acht Religionsgemeinschaften im Haus der Religionen – Dialog der Kulturen nicht der Fall ist.

Für mich symbolisiert der Granatapfel das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen am besten. Ich sehe das Haus als Schale, und die Menschen in den religiösen Gemeinschaften als Samen. Die Samen der Frucht sind von derselben Essenz, haben alle dasselbe Ziel; neue Früchte hervorzubringen.

Können allerdings die acht unterschiedlichen Religionsgemeinschaften, die im Haus der Religionen – Dialog der Kulturen unter einem Dach vereint sind, als gleich betrachtet werden? Wie die Frucht die Samen vereint, so vereint das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen Menschen, die für Gutherzigkeit, ethische Verantwortung, Gewaltlosigkeit, Grosszügigkeit und Frieden einstehen. Mit dem übergeordneten Ziel, dass alle Menschen ein erfülltes Leben führen können und finden, wonach sie suchen. Wohlbefinden und frei von Leiden. Diesen Wunsch haben wir sicher alle gemeinsam, unabhängig ob in einer Religionsgemeinschaft angeschlossen oder nicht. Die Samen sind noch nicht ganz zur Reife gelangt, aber Sprösslinge sind auf alle Fälle sichtbar.

Das beste Beispiel hierfür war für mich die Reaktion aller Glaubensgemeinschaften nach den Anschlägen von Jihadisten auf eine Kirche in Sri Lanka. Umgehend kam es zu einer spontanen Zusammenkunft von Menschen im Hindutempel, die sich vor Ort befanden. Gemeinsam wurde praktiziert, was in solchen Moment am besten hilft; Betroffenheit bekunden und in Verbundenheit gemeinsam beten, damit die Gewalt nicht noch mehr eskaliert.

Am Wochenende darauf fand eine organisierte Gedenkfeier vor allem für Menschen aus Sri Lanka statt. Dass an dieser Gedenkfeier auch Menschen des muslimischen Glaubens teilnehmen konnten und willkommen waren, den Schmerz dieses sinnlosen Angriffs zu teilen, war für mich das Eindrücklichste, was ich im Haus der Religionen – Dialog der Kulturen erlebt habe. Der Wunsch nach Frieden und Gewaltlosigkeit sowie eine Nicht-Verurteilung Einzelner war absolut spürbar und wurde auch gelebt.

Um wieder auf die Frucht zurückzukommen: Dank dem Haus der Religionen – Dialog der Kulturen treffen sich Menschen mit oberflächlichen Unterschieden, aber tiefliegenden Gleichheiten tagein, tagaus. Das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen bietet einen sicheren Ort, wo diese Gleichheiten von unterschiedlichen Menschen gefördert werden. Wie die Schale den Samen Schutz gibt, um zu wachsen, und dann ihren Zweck erfüllt mehr Früchte zu produzieren.

Aus einem Samen entstehen viele Früchte, solange er ideale Bedingungen vorfindet. Mögen diese einzelnen Samen, die im Haus der Religionen – Dialog der Kulturen wachsen, der Welt das bringen, was sie am meisten braucht: Harmonie in der Diversität generell und unter den verschiedenen Religionszugehörigkeiten.

Losang Palmo (Rita Riniker)

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