Datum

16. November 2022

Uhrzeit

19:00

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Literatur

Writers in Prison-Day: Wagdy El Komy

Anlässlich des Writers in Prison-Day, der in Kooperation mit dem Deutschschweizer P.E.N.-Zentrum und Amnesty International stattfindet, besucht der ägyptische Schriftsteller Wagdy El Komy die Schweiz. In seinen Romanen zeigt Wagdy El Komy sich als wacher und kritischer Beobachter des ägyptischen Alltags und der überaus prekären politischen Zustände in seinem Heimatland. Er lebt zurzeit in der Schweiz, wo er in den vergangenen Jahren bereits mehrere Stipendien erhielt.

Zur Biographie und zum Werk des eingeladenen Autors:
Wagdy El Komy (geb. 13. April 1980 in Giza, Ägypten) ist ein ägyptischer Schriftsteller mit anhaltendem Erfolg in der arabischen Welt. Das 2022 erschienene Buch der Mutter (daftar ummî) ist sein bislang sechster Roman. In seinen Texten spiegelt sich die ägyptische Realität in ihren vielen gegensätzlichen Facetten. Im 2014 publizierten Roman Rhythmus etwa tauchte Wagdy El Komy tief in die Unterwelten Kairos zur Zeit der Revolution ein und porträtierte neben der pulsierenden Underground-Musikszene, die unter dem Namen Mahragan international bekannt wurde, das Leben von Zuhältern, Drogendealern und Schmugglern, wobei er im Laufe seiner Recherchen sogar einmal vom sudanesischen Sicherheitsdienst festgesetzt wurde.

Wagdy El Komy hat viele Preise gewonnen, unter anderem den ersten Preis in der Kategorie Roman der „Arab Thought Foundation“ für Rhythmus sowie den Preis der Internationalen Buchmesse Kairo für seine Erzählsammlung Himmelstrassen (shawâri› al-samâ›).

Aufgewachsen in der ägyptischen Mittelschicht, nimmt er sich vor allem in seinen Erzählungen immer wieder dieser Klasse an und beschreibt mit Liebe und einem Hang zum Absurden deren immer quälendere Alltagssorgen. Sowohl sprachlich wie thematisch steht Wagdy El Komy dabei in einer Kontinuität zu den ägyptischen Klassikern des 20. Jahrhunderts, Nagib Machfus und Taufik al-Hakim, Realisten, denen das Absurde zunehmend zum notwendigen Mittel wurde, die Realität in ihrer Widersprüchlichkeit überhaupt noch erzählerisch fassbar zu machen.

Das postrevolutionäre Ägypten mit seiner repressiven Wende, seiner Hauptstadt, die langsam aber stetig in sich zusammenfällt, seiner Mittelschicht, die sich allmählich auflöst – immer wieder findet Wagdy El Komy als geistreicher Beobachter starke Bilder und Verdichtungen, die uns an enttäuschte Hoffnungen, an Momente des Widerstands oder Augenblicke des schieren Verzweifelns heranführen.

In den vergangenen Jahren war Wagdy El Komy bereits mehrfach als Stipendiat in der Villa Sträuli in Winterthur und 2021 zudem an den Solothurner Literaturtagen zu Gast. Im Moment verbringt er ein zusätzliches Jahr in der Schweiz, um an seinen Deutschkenntnissen zu arbeiten. Das Programm Weiter Schreiben unterstützt ihn, auch in der Schweiz als literarische Stimme hörbar zu werden.

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