Tagung Mehrreligionenhäuser 2022

Das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen vernetzt sich

Wie einmalig das Berner Haus der Religionen – Dialog der Kulturen ist, wurde bei einer Vernetzungstagung im Mai überaus deutlich. In verschiedenen Ländern ist die Notwendigkeit von Projekten des gestalteten interreligiösen und interkulturellen Zusammenlebens erkannt. Aber wirklich gebaut und seit mehreren Jahren funktionierend ist erst das Berner Haus am Europaplatz. Der Erfahrungsaustausch über Freuden und Leiden solcher Projekte war für die internationalen Gäste eine grosse Bereicherung und hat auch das Berner Team beflügelt.

Vom 19. bis 21 Mai 2022 fand im Haus der Religionen – Dialog der Kulturen am Europaplatz eine internationale «Mehrreligionenhäusertagung» statt. Dabei waren Menschen, die an Projekten mit mehreren Religionen arbeiten, über diese Arbeit forschen oder erste Träume eines solchen Hauses entwickeln. In Berlin etwa wurde bereits der Grundstein gelegt für das sogenannte «House of One». Ein eindrückliches Gebäude soll an historischer Stätte entstehen, in dem sich eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee unter einem Dach um einen vierten Raum gruppieren. In Wien ist gar ein Campus der Religionen geplant, ein ganzes Quartier mit Wohneinheiten, Vereinstreffpunkten, Sakralbauten verschiedenster Religionen, vereint unter einem schwebenden Dach. Auch in Tiflis ist ein Mehrreligionenhaus am Entstehen und in München hat das «Haus der Kulturen und Religionen» provisorisch eine wenig benützte Kirche als gemeinsamen Ort bezogen. In Jerusalem gibt es seit mehr als 20 Jahren «The Elijah Interfaith Institute», in dem von einem «House of Hope» geträumt wird, das sich in Formen des gemeinsamen Gebetes bereits spirituell realisiert.

Gemeinsam ist all diesen Projekten, dass sie im Stadium der Planung und der Vision sind. Wirklich realisiert und seit mehreren Jahren in Funktion ist einzig das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen in Bern. Entsprechend begeistert waren die Gäste aus Deutschland, Österreich, Georgien und Israel über den Besuch am Europaplatz. In Vorträgen und die Diskussionen ging es um Konzeptarbeit, wobei sich zeigte, wie gross die Wirkung architektonischer und gestalterischer Entscheide in der Bauphase für das Funktionieren der späteren Mehrreligionenhäuser ist. Umso wichtiger, diese Entscheide bewusst zu fällen, Ideen auszutauschen und sich miteinander zu vernetzen. Dies passierte auch informell beim Essen im ayurvedisch-koscheren Restaurant Vanakam, im hauseigenen Garten oder bei einer Stadtführung auf den kolonialen Spuren der Stadt Bern. Zudem bot sich die Gelegenheit, an Gebeten in der Moschee, Pujas im Hindutempel oder dem Maariw-Gottesdienst in der Synagoge teilzunehmen. Am Samstag fand zudem im interbuddhistischen Zentrum das Vesakh-Fest statt und die äthiopisch-orthodoxe Kirche feierte von Samstag auf Sonntag einen grossen Gottesdienst. Rabbiner Alon Goshen-Gottstein aus Jerusalem etwa wurde stundenlang im Hindutempel gesehen und von den buddhistischen Mönchen gebeten, an Buddhas Geburtstag eine Ansprache zu halten. Zu Schabbateingang lud er umgekehrt einen Berliner Imam und einen Wiener Architekten zusammen mit dem Hindupriester zum Schabbesessen mit viel Gesang und gegenseitigem Austausch ins nächtliche Haus der Religionen ein.

Teilnehmer:innen an der diesjährigen Mehrreligionenhäuser-Tagung in Bern (Foto: Vera Rüttimann)

Mit den begeisterten Augen der Gäste betrachtet, realisierte man in Bern einmal mehr, wie kostbar und einzigartig das hiesige Labor des Zusammenlebens ist. Es bleibt zu hoffen, dass die vielfältigen Begegnungen, Erfahrungen und Gedankenanstösse die Arbeit der Engagierten hier und anderswo beflügelt. Natürlich nehmen alle Teilnehmenden auch persönliche Erinnerungen mit. So verriet der Berliner Imam beim Abschied, er werde noch seinen Enkel:innen davon erzählen, wie er in Bern in der Aare  geschwommen sei.

Brigitta Rotach

 

vom 19. – 20. Mai 2022 im Haus der Religionen in Bern

Der Wunsch nach mehr Vernetzung unter den Mehrreligionenhäuser-Projekten wurde in der Vergangenheit immer wieder geäussert. Im Mai lädt das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen zu einer internationalen Netzwerktagung nach Bern ein. Thematisch steht die oft kontrovers diskutierte Frage nach gemeinsamen interreligiösen Feiern
auf dem Programm. Als Diskussionsgrundlage wünschen wir uns Beiträge aus den verschiedenen Projekten. Zudem sollen Netzwerkgruppen gegründet werden, welche Austausch und mögliche Kooperation zwischen ähnlichen Arbeitsgebieten fördern (Jugend, Bildung, Kultur, Gastronomie, Organisation – und weitere Ideen sind willkommen).

Weitere Informationen zum Tagungsprogramm:

Kontakt:
Brigitta Rotach
Leitung Kulturprogramm
Tel.: +41 31 380 51 04
brigitta.rotach@haus-der-religionen.ch

Bei Fragen können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen:

Haus der Religionen – Dialog der Kulturen
Europaplatz 1
CH – 3008 Bern

+41 31 380 51 00 (Montag bis Freitag von 9.00 – 12.00 Uhr)
info@haus-der-religionen.ch

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