Kommunikation: Balance leben – gemeinsam auf Kurs im Haus der Religionen

Balance leben – gemeinsam auf Kurs im Haus der Religionen

Am Anfang eines Rundgangs durch die Räumlichkeiten im Haus der Religionen – Dialog der Kulturen erzähle ich als Einstieg ein Zitat von meinem Vater: «Als Schweizerin musst du für etwas 100 % geben, als Ausländerin 150 %.» – ein Satz, der mich fordert, aber zugleich zeigt, dass Mehrperspektivität eine Superkraft ist. Als ich älter wurde und mich intensiver mit diesem Thema befasste, merkte ich, dass strukturelle Diskriminierung stark in unserer Gesellschaft verankert ist. Mit der Zeit stellte ich auch fest, dass es Möglichkeiten gibt, dieses Ungleichgewicht zu verändern. Man kann nicht immer in Balance sein. Zu stolpern und das Gleichgewicht zu verlieren, kann helfen, Neues zuzulassen und andere Perspektiven zu verstehen. Im Dazwischen entsteht die Chance, eine neue Balance zu finden – zwischen dem, was war, und dem, was werden kann.

Im Haus der Religionen wird täglich die Balance zwischen den Religionsgemeinschaften, Vereinsmitgliedern, dem Dialogteam, den Besuchenden, der Öffentlichkeit, den Geldgeber:innen und den Medien gesucht und gefunden. Mal bewegt sich das Dialogschiff in ruhigen Gewässern, mal stürmt es.

Die Segel werden stets in Richtung Miteinander gesetzt. Angetrieben wird das Schiff durch Respekt, Empathie und aufrichtiges Zuhören. In jedem Hafen soll etwas davon der Gesellschaft übergeben werden, um überhaupt Begegnung und Dialog zu ermöglichen.

Der Begriff «Religion» löst oft Zerrissenheit aus, dabei ist sie für viele Menschen eine Quelle von Halt, Sinn und Hoffnung. Im Haus der Religionen wird diese Vielfalt im Alltag der Gemeinschaften sichtbar: Im Haus kann man so donnerstags im Inter-Buddhistischen Tempel mit Mönch Anuruddha meditieren, mittwochs in der Kirche beim Mittagsgebet gemeinsam aufatmen, in der Moschee die täglichen Gebete verrichten, in der Tempelküche für Tausende Gläubige für das Wagenfest kochen oder Seelsorge im Spital oder im Gefängnis leisten.

Viele Menschen suchen auch die Balance zwischen ihrem grossen freiwilligen Engagement für ihre Religionsgemeinschaft und den Ansprüchen der Erwerbsarbeit und der Familie sowie dem Bedürfnis nach Erholung. Wie kann bei aller Belastung dennoch eine Veranstaltung oder ein Konzert für die Öffentlichkeit geplant werden? Hier bringen Religion und Kultur oft die motivierende Kraft, die alles ausbalanciert. Glaube sowie das Gefühl von Zugehörigkeit(en) rücken das Miteinander in den Fokus und öffnen neue Perspektiven.

Das Haus der Religionen bietet zahlreiche Veranstaltungen für alle – religiös oder religionsfrei. Damit fördert es Verständnis, Respekt auf Augenhöhe und den Wissensgewinn. Durch den Austausch mit verschiedenen Menschen baut das Haus Brücken, die mit der Zeit immer stärker werden und auch in schwierigen Zeiten Bestand haben. Es ist ein Labor der Balance – ein Ort, an dem Differenzen nicht Angst machen

und Menschen zusammengebracht werden. Bei einem leckeren vegetarischen Curry im Restaurant Vanakam, während der Nacht der Religionen oder einer Filmaufführung lässt sich der Austausch besonders leicht erleben.

Balance ist für das Haus ein Willensakt für eine inklusivere Welt, in der Vielfalt, allen Schwierigkeiten zum Trotz, selbstverständlich ist. Ein unermüdliches Üben, immer wieder zueinander zu finden, das Gespräch zu suchen und gemeinsam auf einem bewegten Meer Kurs zu halten – im Wissen darum, dass Leuchttürme wie das Haus der Religionen Orientierung geben und zeigen, dass dieses Miteinander möglich ist.

Autorin: Thanuja Thangavel, Beitrag aus Katholischen Kirchgemeinde Arosa, Februar 2026

Fotos: © HdR

Bei Fragen können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen:

Haus der Religionen - Dialog der Kulturen
Europaplatz 1
CH - 3008 Bern

Montag,  9.30 - 12.00 Uhr
Dienstag, 9.30 - 12.00 Uhr
Mittwoch, 10 – 12 Uhr
Donnerstag, 9.30 - 12.00 Uhr
Freitag von 9.30 - 12.00 Uhr

+41 31 380 51 00
info@haus-der-religionen.ch

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